Villa dei Cedri in Bellinzona. Bild: zVg, Museo Villa dei Cedri

Muse­um und Park wach­sen zusammen

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Das Museo Vil­la dei Cedri beher­bergt die Kunst­samm­lung der Stadt Bel­lin­zo­na. Bereits heu­te liegt der Fokus des Aus­stel­lungs­pro­gramms auf der Bezie­hung von Mensch, Natur und Kunst. Künf­tig soll der Muse­ums­park eine noch grös­se­re Rol­le spie­len: Muse­um und Park sol­len als Ein­heit gele­sen wer­den und einen dia­lo­gi­schen Raum bilden.

Sam­meln, bewah­ren, for­schen und ver­mit­teln sind die Kern­auf­ga­ben eines Muse­ums. Die heu­ti­gen Insti­tu­tio­nen tun aber mehr als das: Sie grei­fen aktu­el­le gesell­schaft­li­che Fra­gen auf und geben so wich­ti­ge Impul­se im öffent­li­chen Dis­kurs. «Ein Muse­um soll die Gesell­schaft dar­in unter­stüt­zen, sich zu wich­ti­gen The­men eine Mei­nung zu bil­den», erklärt Caro­le Haens­ler. Sie ist seit zehn Jah­ren Direk­to­rin des Muse­um Vil­la dei Cedri in Bel­lin­zo­na und hat in die­ser Zeit den Fokus des städ­ti­schen Kunst­mu­se­ums auf die Bezie­hung zwi­schen Mensch, Natur und Umwelt ver­legt. Eine wich­ti­ge Rol­le spielt dabei der Muse­ums­park. Zur denk­mal­ge­schütz­ten Vil­la dei Cedri, im 19. Jahr­hun­dert als Land­sitz einer rei­chen Bel­lin­zo­ner Fami­lie errich­tet, gehört ein gut 25’000 Qua­drat­me­ter gros­ses Grund­stück, das im Lau­fe der Zeit zu einem Gar­ten mit ver­schie­de­nen Zonen, Obst­bäu­men und einem Wein­berg aus­ge­stal­tet wur­de. Heu­te ist der Park nicht nur ein histo­risch wert­vol­les Denk­mal, das eng mit der Stadt­ge­schich­te ver­bun­den ist. Als grü­ne Oase lei­stet er auch einen wich­ti­gen Bei­trag für das Wohl­be­fin­den der städ­ti­schen Bevölkerung.

Gesamt­vi­si­on für den Park

In den ver­gan­ge­nen Jah­ren sei die Pfle­ge des Gar­tens jedoch etwas ver­nach­läs­sigt wor­den, sagt Haens­ler. Zudem macht der Kli­ma­wan­del einem Teil der Pflan­zen zu schaf­fen. Im Jahr 2022 beauf­trag­te das Muse­um des­halb das Insti­tut für Umwelt und Natür­li­che Res­sour­cen IUNR der Zür­cher Hoch­schu­le für Ange­wand­te Wis­sen­schaf­ten, eine Gesamt­vi­si­on für den öffent­li­chen Park der Vil­la dei Cedri aus­zu­ar­bei­ten. Die Auf­ga­be der ZHAW bestand dar­in her­aus­zu­fin­den, wie man den Park in einen inter­ak­ti­ven Raum ver­wan­deln kann, der im Dia­log mit dem Muse­ums­pro­gramm steht. Das Ergeb­nis die­ser Stu­die: Der Gar­ten soll zu einem inte­gra­len Bestand­teil der Aus­stel­lungs- und Ver­mitt­lungs­ak­ti­vi­tä­ten des Muse­ums wer­den. «Vil­la und Park sol­len eine Ein­heit bil­den und mit­ein­an­der im Dia­log ste­hen», erläu­tert Haens­ler die Visi­on. Damit wird das Muse­um zu einem «Ort der Inspi­ra­ti­on», an dem Kunst und Natur mit allen Sin­nen erleb­bar wer­den. Zen­tra­le The­men im Park sind die Bezie­hung zwi­schen Mensch und Natur, Iden­ti­tät und Kul­tur, Öko­lo­gie und Land­schaft. Ob Geschich­te, Kli­ma, Gar­ten­ar­chi­tek­tur, Bota­nik: Der Gar­ten hat viel zu erzäh­len, ist die Muse­ums­di­rek­to­rin überzeugt.

Räum­lich­kei­ten Museo Vil­la dei Cedri. Bild zVg, Museo Vil­la dei Cedri.

The­ma­ti­sche Bepflanzung

Nun soll der Park einer­seits öko­lo­gisch auf­ge­wer­tet wer­den. Geplant ist eine Neu­be­pflan­zung des Ein­gangs­be­reichs und des ita­lie­ni­schen Gar­tens, die den Wech­sel der Jah­res­zei­ten und die Bio­di­ver­si­tät stär­ker berück­sich­tigt und bes­ser an das heu­ti­ge Kli­ma ange­passt ist. Eben­so soll das Blu­men­beet beim Emp­fang je nach Aus­stel­lungs­pro­gramm the­ma­tisch bepflanzt wer­den, etwa mit alten Nutz­pflan­zen, Gewür­zen oder Heil­pflan­zen. Für die­se gärt­ne­ri­schen Mass­nah­men ist das Muse­um auf Spon­so­ren ange­wie­sen; denn die Bei­trä­ge, die es von der Stadt Bel­lin­zo­na und dem Kan­ton Tes­sin erhält, umfas­sen den Unter­halt und Umge­stal­tung des Parks nicht. 

The­ma­ti­sche Gar­ten­an­la­ge. Bild: zVg, Museo Vil­la dei Cedri

Ande­rer­seits soll der Park künf­tig noch stär­ker in das Aus­stel­lungs­pro­gramm ein­be­zo­gen wer­den. Für die Kunst bedeu­te das Prin­zip des dia­lo­gi­schen Raums, heisst es in der ZHAW-Stu­die, «dass der Park nicht ein­fach attrak­ti­ve Kulis­se für dar­in plat­zier­te Skulp­tu­ren ist, son­dern die Kunst­wer­ke sich aktiv mit der Umge­bung aus­ein­an­der­set­zen». Bereits die aktu­el­le Aus­stel­lung «Under­ground», die noch bis am 4. August gezeigt wird und sich mit unter­ir­di­schen Öko­sy­ste­men befasst, erstreckt sich von der Vil­la in den Park. Die­se Art der Kunst­ver­mitt­lung soll künf­tig aus­ge­baut wer­den. Man befin­de sich dabei noch in der Expe­ri­men­tier­pha­se, sagt Haens­ler. Mög­lich sei­en Aus­stel­lun­gen, Instal­la­tio­nen, Work­shops und Per­for­man­ces, die The­men rund um die Bezie­hung zwi­schen Mensch und Natur aufgreifen.

Museo Vil­la dei Cedri

Das Museo Vil­la dei Cedri in Bel­lin­zo­na befin­det sich in einem Land­haus aus dem 19. Jahr­hun­dert. Seit 1985 beher­bergt es die städ­ti­sche Kunst­samm­lung. Die stän­di­ge Samm­lung kon­zen­triert sich auf die Kunst des Tes­sins, der Lom­bar­dei und der Schweiz ab der zwei­ten Hälf­te des 19. Jahr­hun­derts bis in die heu­ti­ge Zeit. Wich­ti­ge The­men sind Kunst und Natur, Natur und Kul­tur sowie Kunst und Lite­ra­tur. Das Muse­um gehört der Stadt Bel­lin­zo­na und wird eben­falls vom Kan­ton Tes­sin mit jähr­li­chen Bei­trä­gen unter­stützt. Die 2009 gegrün­de­te «Fon­da­zio­ne Amici di Vil­la dei Cedri» trägt regel­mäs­sig zur Erwei­te­rung der Samm­lung bei.können.

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