Hof­nach­fol­gen für Schwei­zer Bauernhöfe

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Vie­le Bau­ern­be­trie­be in der Schweiz ste­hen unter Druck. Immer mehr Höfe müs­sen schlies­sen, weil Nach­wuchs, Zeit und Mit­tel feh­len. Die Stif­tung zur Erhal­tung bäu­er­li­cher Fami­li­en­be­trie­be — Hof­Zu­kunft will mit neu­er Mar­ke und moder­ner Aus­rich­tung den Bau­ern­stand in der Schweiz stär­ken und die Zukunft von Höfen sichern.

Täg­lich schlies­sen in der Schweiz zwei Bau­ern­hö­fe für immer ihre Stall­tü­ren. Mehr als die Hälf­te aller Betriebsleiter:innen ist über 50 Jah­re alt. «Die Land­wirt­schaft befin­det sich in einem gros­sen Struk­tur­wan­del», sagt Anna Bau­mann, Ver­ant­wort­li­che für Kom­mu­ni­ka­ti­on und Fund­rai­sing bei der Stif­tung. Oft feh­le es an Nach­kom­men, die einen Betrieb über­neh­men kön­nen oder wol­len sowie an finan­zi­el­len Res­sour­cen. Hin­zu kom­me auch die hohe Arbeits­be­la­stung: «Die Arbeits­stun­den von Bäue­rin­nen und Bau­ern lie­gen bei über 70 pro Woche. Kaum jemand will so viel arbei­ten», so Bau­mann, «und trotz­dem ist die Wirt­schaft­lich­keit in einem durch­schnitt­li­chen Bau­ern­be­trieb gering.» Die Schwei­zer Bevöl­ke­rung gebe im Schnitt nur rund 7 Pro­zent ihres Ein­kom­mens für Ernäh­rung aus. Laut Bau­mann bekom­men Bau­ern so kei­ne han­dels­üb­li­chen Prei­se für die Pro­duk­te, die sie pro­du­zie­ren. Gleich­zei­tig steigt der Mit­tel­be­darf für neue Infra­struk­tur und tech­ni­sche Inno­va­tio­nen. «Betrie­be kön­nen gar nicht so viel inve­stie­ren, um mit den Markt­trends mit­zu­hal­ten», erklärt Anna Bau­mann. Die Stif­tung sei zur Brücken­baue­rin in die­sem tief­grei­fen­den Struk­tur­wan­del gewor­den. Mit der neu­en Mar­ke Hof­Zu­kunft schlägt sie jetzt ein neu­es Kapi­tel auf. «Die ‹Stif­tung zur Erhal­tung bäu­er­li­cher Fami­li­en­be­trie­be› war ein sehr lan­ger Name. Für die digi­ta­le Kom­mu­ni­ka­ti­on eher wenig geeig­net», sagt Bau­mann.  «Mit Hof­Zu­kunft brin­gen wir unser Selbst­ver­ständ­nis kurz und prä­gnant auf den Punkt: Wir stif­ten Zukunft für bäu­er­li­che Betriebe.» 

Hof­nach­fol­ge aus­ser­halb der Fami­lie 

Seit über zehn Jah­ren ver­mit­telt die Stif­tung erfolg­reich aus­serfa­mi­liä­re Hof­nach­fol­gen. «Wir brin­gen Hof­s­u­chen­de mit Erfah­rung und Aus­bil­dung mit Betrie­ben zusam­men, die kei­ne Nach­fol­ge fin­den», erklärt Bau­mann. Das Modell sei für bei­de Sei­ten eine Win-Win-Situa­ti­on. Gera­de der Über­gang sei oft ein sen­si­bler Pro­zess. «Ein Hof ist mehr als ein Arbeits­platz – er ist Lebens­raum und Fami­li­en­ge­schich­te. Da spie­len Ver­trau­en, Geduld und gegen­sei­ti­ger Respekt eine gros­se Rol­le», so Bau­mann. Den Hof Lan­gen­egg im Appen­zel­ler­land führ­te Han­sue­li Zäh­ner über 45 Jah­re. Als er gesund­heit­lich an sei­ne Gren­zen stiess und weil sei­ne Kin­der kei­ne land­wirt­schaft­li­che Lauf­bahn ver­fol­gen, war eine Lösung drin­gend nötig. Über die Hof­nach­fol­ge der Stif­tung fand er Mat­thi­as Kern. Der jun­ge Mann wuchs in der­sel­ben Gemein­de auf und heg­te schon lan­ge den Traum eines eige­nen Hofs. 2024 zog Kern mit sei­ner Part­ne­rin und den eige­nen Tie­ren in die Anle­ger­woh­nung im Haus von Han­sue­li Zäh­ner. Er über­nahm den Betrieb samt Kühen und Maschi­nen und bewirt­schaf­tet den Hof nun bio­lo­gisch. Dank der Ver­mitt­lung über die Hof­nach­fol­ge der Stif­tung konn­te Mat­thi­as Kern sei­nen Wunsch nach dem eige­nen Betrieb ver­wirk­li­chen, wäh­rend Han­sue­li Zäh­ners Lebens­werk erhal­ten bleibt. 

Bild: Hof­zu­kunft

Fundrai­sing für die Zukunft der Höfe

Zum neu­en Fokus der Stif­tung zur Erhal­tung bäu­er­li­cher Fami­li­en­be­trei­be — Hof­Zu­kunft gehört auch der Aus­bau des Fund­rai­sin­gs. «Wir wol­len künf­tig noch mehr Bäue­rin­nen und Bau­ern beim Aus­bau ihrer Infra­struk­tur und bei der Hof­nach­fol­ge unter­stüt­zen», erklärt Anna Bau­mann. In der Schweiz wer­den nur noch rund 53 Pro­zent aller Lebens­mit­tel pro­du­ziert. «Wenn wir Höfe erhal­ten, redu­zie­ren wir unse­re Abhän­gig­keit von Impor­ten. Nur so bleibt die Schwei­zer Land­wirt­schaft lang­fri­stig trag­fä­hig.» Kon­kret unter­stützt die Stif­tung Betrie­be mit zins­lo­sen Dar­le­hen und à‑fonds-per­du-Bei­trä­gen, um Inve­sti­tio­nen in neue Stäl­le, Wohn­häu­ser oder Anla­gen zu ermög­li­chen. Gleich­zei­tig sol­len Arbeits­be­din­gun­gen ver­bes­sert und die Wochen­ar­beits­zei­ten redu­ziert wer­den, damit auch die näch­ste Gene­ra­ti­on eine Per­spek­ti­ve auf dem Hof hat. Ab 2025 geht Hof­Zu­kunft auch kom­mu­ni­ka­tiv neue Wege: Eine moder­ne Web­site und pro­fes­sio­nel­le Social-Media-Kam­pa­gnen sol­len die Her­aus­for­de­run­gen des Struk­tur­wan­dels sicht­bar machen. «Wir möch­ten die Her­aus­for­de­run­gen der Bäue­rin­nen und Bau­ern auch digi­tal kom­mu­ni­zie­ren und somit bei einem brei­te­ren Publi­kum mehr Ver­ständ­nis für den Bau­ern­stand schaf­fen», so Baumann. 

Symbolbild Bildwerke

Stif­tung zur Erhal­tung bäu­er­li­cher Fami­li­en­be­trie­be — HofZukunft 

 
Die Stif­tung zur Erhal­tung bäu­er­li­cher Fami­li­en­be­trei­be — Hof­Zu­kunft stärkt bäu­er­li­che Fami­li­en­be­trie­be in der Schweiz durch finan­zi­el­le und bera­ten­de Unter­stüt­zung. Mit zins­lo­sen Dar­le­hen, à‑fonds-per­du-Bei­trä­gen und der Ver­mitt­lung aus­serfa­mi­liä­rer Hof­nach­fol­gen trägt sie dazu bei, dass land­wirt­schaft­li­che Betrie­be erhal­ten blei­ben und sich wei­ter­ent­wickeln kön­nen. Die Stif­tung enga­giert sich für eine nach­hal­ti­ge, viel­fäl­ti­ge und zukunfts­fä­hi­ge Landwirtschaft. 


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