Ein­fach eine Chan­ce geben

Älte­ren Flücht­lin­gen man­gelt es oft an einem vom Schwei­zer Arbeits­markt gefor­der­ten Schul- oder Berufs­bil­dungs­ab­schluss. Frau­en sind ganz beson­ders betrof­fen. Mit einem neu­en Frau­en­för­der­pro­jekt gibt die Asso­cia­ti­on Equi­libre ihnen eine Chance.

Oft blei­ben sie län­ger ohne Arbeit. Weil ihnen die auf dem Schwei­zer Arbeits­markt gefor­der­te Schul- und Berufs­bil­dung fehlt haben älte­re Flücht­lin­ge kaum eine Chan­ce auf eine Beschäf­ti­gung. Dies trifft ins­be­son­de­re die Frau­en. Die aktu­el­le Sta­ti­stik des Bun­des (Bestand Asyl­pro­zess mit Erwerb nach Geschlecht am 31. Dezem­ber 2020) zeigt, dass die Erwerbs­quo­te bei den Män­nern mit 60 Pro­zent dop­pelt so hoch ist wie bei den Frau­en mit 28 Pro­zent. Genau die­sen Frau­en will die Asso­cia­ti­on Equi­libre mit ihrem neu­en Pro­gramm hel­fen. Die­sen Janu­ar star­tet das neue Frau­en­för­der­pro­jekt mit sechs Frau­en im Alter von 27 bis 47 Jahren. 

Unter­schied­li­che Lebensumstände

Die­se Frau­en brau­chen die Moti­va­ti­on und den Wil­len, die Aus­bil­dung zu absol­vie­ren. Was sie errei­chen wol­len haben sie klar for­mu­liert. Sie wol­len Tex­ti­prak­ti­ke­rin, Pfle­ge­hel­fe­rin, Detail­han­delsas­si­stenin, Kauf­frau oder Fach­frau Tex­til und Leder wer­den. Die Ziel­vor­ga­be ist ein Eid­ge­nös­si­sches Berufs­at­test EBA oder ein Eid­ge­nös­si­sches Fähig­keits­zeug­nis EBZ zu erlan­gen. Der Ver­ein Asso­cia­ti­on Equi­libre finan­ziert ihnen die Aus­bil­dung. Sie ent­spricht einem 40 Pro­zent Pen­sum. Die sechs Teil­neh­me­rin­nen wei­sen unter­schied­lich­ste Lebens­um­stän­de auf. «Eine Teil­neh­me­rin nimmt nur an unse­ren Bil­dungs­ta­gen teil», sagt Cor­ne­lia Reb­sa­men, bei der Asso­cia­ti­on Equi­libre für das Fund­rai­sing zustän­dig. Die Teil­neh­me­rin ver­folgt das Berufs­bil­dungs­ziel Detail­han­del, arbei­tet heu­te aber in einer ande­ren Bran­che. «Vor Weih­nach­ten konn­te sie bei der Migros schnup­pern. Es sieht posi­tiv aus», sagt Cor­ne­lia Reb­sa­men. Eine zwei­te Teil­neh­me­rin ist Mut­ter von drei klei­nen und schul­pflich­ti­gen Kin­dern und ist im Haus und mit Erzie­hungs­auf­ga­ben ein­ge­bun­den. Sie arbei­tet nicht aus­ser Haus. «Damit für die­se Fami­li­en­frau der Schul­be­such mög­lich wird, muss­te eine Kin­der­be­treu­ung für die Bil­dungs­ta­ge und für die Lern­stun­den orga­ni­siert wer­den», sagt Cor­ne­lia Reb­sa­men. Die ande­ren vier Frau­en arbei­ten in einem 60 Pro­zent Pen­sum im JLT/­Ko­Ko­Té-Pro­jekt des Vereins.

Ler­nen im Schulunterricht.

Indi­vi­du­el­le Massnahmen

Das Urner Unter­neh­mer­paar Franz Huber und Yvonne Her­zog haben den gemein­nüt­zi­gen Ver­ein «Asso­cia­ti­on Equi­libre» im Mai 2015 gegrün­det. Die Asso­cia­ti­on Equi­libre hat seit 2015 ver­schie­de­ne Pro­jek­te im Bereich Bil­dung- und Arbeits­in­te­gra­ti­on und im Bereich sozia­le und kul­tu­rel­le Ver­net­zung lanciert.

Das wich­tig­ste Pro­jekt im Bereich Bil­dung und Arbeits­in­te­gra­ti­on ist JLT / KoKo­Té. Die­ses ist einer­seits ein nor­ma­les Unter­neh­men und zugleich ein nach­hal­ti­ges Bil­dungs- und Arbeits­in­te­gra­ti­ons­pro­jekt. Die Asso­cia­ti­on Equi­libre stellt den Bil­dungs­teil beim KoKo­Té Pro­jekt sicher und unter­stützt aktu­ell vier Vari­an­ten, bei denen Arbeit mit (Nachhol-)Bildung gekop­pelt wird: Ein Arbeits­prak­ti­kum mit einem Bil­dungs­an­teil von 1,5 Tagen; ein Zwi­schen­jahr mit einem Bil­dungs­an­teil von zwei Tagen, eine Vor­leh­re mit einem Bil­dungs­an­teil von zwei Tagen und schliess­lich eine Berufs­aus­bil­dung EBA oder EFZ in den öffent­li­chen Struk­tu­ren mit beglei­ten­dem Lern­coa­ching. Beim Ler­nen spielt auch das Men­to­ring eine wich­ti­ge Rol­le. Jede*r Flücht­ling hat einen eig­nen Men­tor, eine eige­ne Men­to­rin, die wöchent­lich zwei bis vier Stun­den hilft Auf­ga­ben in Mathe­ma­tik zu machen, Deutsch­spre­chen zu üben und die Flücht­lin­ge auch unter­stützt, wenn es dar­um geht, ein Bud­get zu erstel­len oder ein amt­li­ches For­mu­lar auszufüllen.

Neben der Sprach­för­de­rung geht es vor allem um das Erfas­sen des Poten­zi­als und um das sich ver­traut machen mit gesell­schaft­li­chen Unter­schie­den und Gepflo­gen­hei­ten. Weil ein Jahr meist nicht reicht, um ein genü­gen­des Sprach­ni­veau zu errei­chen, fol­gen ein bis drei Zwi­schen­jah­re. Anschlies­send soll­ten die Flücht­lin­ge das Sprach­ni­veau erreicht haben, um in eine Vor­leh­re oder eine Berufs­leh­re EBA/EFZ einzusteigen.

Neu­es Projekt

Das neu gestar­te­te Frau­en­för­der­pro­jekt will noch fokus­sier­ter Frau­en för­dern. Sie sol­len eine Chan­ce erhal­ten einen Beruf zu ler­nen, so dass sie mit­tel­fristg in der Lage sind, ihren Lebens­un­ter­halt selbst zu bestrei­ten und unab­hän­gig von staat­li­cher Unter­stüt­zung zu leben. Um das Frau­en­för­der­pro­jekt zu finan­zie­ren ist der gemein­nüt­zi­ge Ver­ein Asso­cia­ti­on Equi­libre auf Spen­den angewiesen.

Asso­cia­ti­on Equilibre

Die Asso­cia­ti­on Equi­libre (A.E.) ist ein gemein­nüt­zi­ger Ver­ein und hat zum Ziel, einen Aus­gleich im Gleich­ge­wicht zwi­schen Süden und Nor­den, zwi­schen Arm und Reich, pri­vi­le­giert und benach­tei­ligt, zu schaf­fen. Die A.E. fokus­siert dar­auf, in der Schweiz einen kon­kre­ten Bei­trag zur Flücht­lings­in­te­gra­ti­on zu leisten.

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Das Spen­den­ma­ga­zin von StiftungSchweiz rich­tet sich an Spen­de­rin­nen und Spen­der. Es infor­miert über aktu­el­le Pro­jek­te, Trends im Spen­den­markt und gibt Tipps, die das digi­ta­le Spen­den ein­fa­cher machen. Jede zwei­te Woche erscheint ergän­zend der «Do Good» Spen­den-News­let­ter.