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Eine Gesell­schaft, die nicht behindert

Die Stif­tung Züri­werk ver­folgt mit der «Stra­te­gie Inklu­si­on 2035» ein kla­res Ziel: eine Gesell­schaft, die Bar­rie­ren abbaut, statt Hür­den auf­recht­zu­er­hal­ten. Im Kan­ton Zürich schafft Züri­werk Ange­bo­te für Men­schen mit Behin­de­run­gen, die zu mehr Inklu­si­on, Viel­falt und schliess­lich einer leben­di­gen Gemein­schaft füh­ren. 

«Men­schen sind nicht behin­dert – sie wer­den behin­dert». Und zwar durch Vor­ur­tei­le, Aus­gren­zung und man­geln­de Unter­stüt­zung, ist Roger Stä­ger, Geschäfts­lei­ter der Stif­tung Züri­werk, über­zeugt. Seit Jahr­zehn­ten beglei­tet Züri­werk Men­schen, die in ihrem All­tag auf­grund einer Behin­de­rung Unter­stüt­zung brau­chen. Heu­te geht die Stif­tung einen Schritt wei­ter. Mit der neu­en Stra­te­gie «Inklu­si­on 2035» rich­tet sie ihren Blick nicht nur auf die eige­nen Ange­bo­te, son­dern auf die gesam­te Gesell­schaft. Die Visi­on: Eine Gemein­schaft, in der die Viel­falt der Men­schen als Berei­che­rung gese­hen wird. «Wir wol­len Bar­rie­ren abbau­en, so dass jeder Mensch sein Poten­zi­al ent­fal­ten kann», sagt Stä­ger. Das bedeu­te eine inklu­si­ve Gesell­schaft, in der alle Men­schen mit ihren unter­schied­li­chen Fähig­kei­ten ihre Talen­te voll und selbst­be­stimmt ent­fal­ten kön­nen – in der Aus­bil­dung, im Beruf, im Woh­nen und im gesell­schaft­li­chen Leben. Dabei fokus­siert Züri­werk nicht nur auf ihre eige­ne Ent­wick­lung. Es muss ein brei­tes gesell­schaft­li­ches Umden­ken stattfinden. 

Gesell­schaft­li­che und struk­tu­rel­le Hürden

In der Rea­li­tät herrscht in der Gesell­schaft noch immer Unsi­cher­heit im Umgang mit Behin­de­run­gen. «Das schafft Distanz und ver­hin­dert eine rasche Annä­he­rung der Men­schen», sagt Stä­ger. Dies betref­fe bei­spiels­wei­se Sozi­al­räu­me im All­tag, der Frei­zeit und im Zusam­men­woh­nen und ‑arbei­ten. Hin­zu kom­men struk­tu­rel­le Hin­der­nis­se: Die Poli­tik ist föde­ra­li­stisch und in vie­len Syste­men sepa­riert aktiv. Bei­spiels­wei­se sind IV-Lei­stun­gen mit den Unter­stüt­zun­gen der Sozi­al­äm­ter auf Kan­tons­ebe­ne und den Ergän­zungs­lei­stung, die die Wohn­ge­mein­den spre­chen, wenig bis nicht auf­ein­an­der abge­stimmt. «Das ver­hin­dert bei­spiels­wei­se die Ver­bes­se­rung der Ein­kom­men der Men­schen mit Unter­stüt­zungs­be­darf, wenn ihre Arbeits­lei­stung steigt» sagt Stäger.

Gleich­zei­tig bela­ste es wei­ter­hin das gesam­ten Sozi­al­sy­stem. «Das ist dann dop­pelt ungün­stig.» Um ein gesamt­ge­sell­schaft­li­ches Umden­ken vor­an­zu­trei­ben, braucht es laut Roger Stä­ger neue Alli­an­zen: Poli­tik, Öffent­lich­keit, Unternehmer:innen und Inhaber:innen von Immo­bi­li­en für inklu­si­ven Wohn­raum sol­len als zen­tra­le Akteu­re stär­ker zusam­men­ar­bei­ten. Mit ihrer poli­ti­schen Arbeit prägt Züri­werk aktiv die gesetz­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen mit. 

Bild: Zue­ri­werk

Unter­schie­de sol­len nicht tren­nen, son­dern ver­bin­den 

Für die Umset­zung der Stra­te­gie «Inklu­si­on 2035» braucht es aber auch inno­va­ti­ve Pilot-Pro­jek­te mit Vor­bild­cha­rak­ter. Das gröss­te Pro­jekt ist der Yond Cam­pus mit­ten in der Stadt Zürich. Die heu­ti­gen geschütz­ten Werk­stät­ten sol­len künf­tig zu inklu­si­ve­ren Arbeits­plät­zen wei­ter­ent­wickelt wer­den, an denen Men­schen mit und ohne Behin­de­rung Sei­te an Sei­te arbei­ten. «Damit inklu­si­ve Arbeits­plät­ze selbst­ver­ständ­li­cher wer­den gilt es, Struk­tu­ren anzu­pas­sen, Mit­ar­bei­ten­de ohne Behin­de­run­gen ein­zu­stel­len und ver­mehrt in Koope­ra­tio­nen mit Unter­neh­men inklu­si­ve Arbeits­plät­ze zu eta­blie­ren», so Stäger. 

 
Auch zukunfts­wei­send für die Visi­on von Züri­werk ist die Über­nah­me einer inklu­si­ven 5er-WG, die im Früh­jahr 2025 von Blind­s­pot eröff­net wur­de. Drei jun­ge Erwach­se­ne ohne Behin­de­rung leben dort zusam­men mit zwei jun­gen Erwach­se­nen mit Behin­de­rung. «Wir über­set­zen den Wunsch nach selb­stän­di­gem Woh­nen mit so viel Unter­stüt­zung wie nötig, aber so wenig wie mög­lich», erklärt Stä­ger. Mit die­ser Balan­ce gewin­nen die Bewoh­nen­den mit Behin­de­rung mehr Selb­stän­dig­keit und Eigen­ver­ant­wor­tung und wer­den für all­täg­li­che Din­ge ganz selbst­ver­ständ­lich Teil der Gesell­schaft. Es zeigt sich: Unter­schie­de müs­sen nicht tren­nen – sie kön­nen Men­schen ver­bin­den und neue For­men des Zusam­men­le­bens ermöglichen. 

Auf dem Weg zur Impulsgeberin

Bis 2035 will Züri­werk als Orga­ni­sa­ti­on wahr­ge­nom­men wer­den, die Inklu­si­on kon­se­quent wei­ter­denkt. «Wir wir­ken in erster Linie für und mit Men­schen. Wir gehen acht­sam und respekt­voll mit­ein­an­der um. Wir ach­ten auf die Gren­zen ande­rer und tra­gen Sor­ge zuein­an­der», so Stä­ger. Die Erkennt­nis, dass Men­schen behin­dert wer­den, ist für Züri­werk eine ein­ma­li­ge Chan­ce, um die­se Visi­on noch kon­se­quen­ter in die Rea­li­tät umzu­set­zen und Inklu­si­on ganz­heit­lich zu den­ken. Damit setzt Züri­werk wich­ti­ge Impul­se für eine nach­hal­ti­ge Trans­for­ma­ti­on der Arbeits- und Lebens­welt für alle Men­schen. «Wir glau­ben dar­an, dass die Gesell­schaft zu die­ser Ver­än­de­rung heu­te mehr denn je bereit ist», sagt Stäger. 

Symbolbild Bildwerke

Stif­tung Züri­werk 

 
Die Stif­tung Züri­werk setzt sich für die Gleich­be­rech­ti­gung von Men­schen mit Behin­de­run­gen ein. Sie will ein selbst­be­stimm­tes Leben, eine akti­ve und gleich­be­rech­tig­te Teil­nah­me am gesell­schaft­li­chen Leben und der Arbeits­welt für alle sichern. Die Stif­tung schafft Wohn‑, Arbeits- und Unter­stüt­zungs­an­ge­bo­te, die Eigen­stän­dig­keit ermög­li­chen, Inte­gra­ti­on för­dern und die per­sön­li­che Ent­wick­lung stär­ken. Mit ihren Ein­rich­tun­gen und Dienst­lei­stun­gen deckt Züri­werk Bedürf­nis­se ab, ent­wickelt pas­sen­de Lösun­gen und schliesst Lücken für mehr Teil­ha­be, Selbst­be­stim­mung und Lebensqualität. 


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