Im August hat die Quellenhof-Stiftung das Projekt «Bridge» gestartet. Es richtet sich an Jugendliche mit herausfordernden Biografien. Für diese baut das Projekt eine Brücke zum Einstieg in die Berufsbildung. Die Nachfrage ist gross.
Ein tödlicher Arbeitsunfall eines Arbeitskollegen oder eine schwierige Familiensituation, in der nur der Wunsch zum Sterben bleibt: Es sind aufwühlende Schicksale, die die jungen Menschen aus der Bahn geworfen haben. Ihnen will die Quellenhof Stiftung in Winterthur helfen, den Weg zurück in einen geregelten Arbeitsalltag zu finden. Hierzu hat sie diesen August ein Motivations‑, Lern- und Arbeitsintegrationszentrum für junge Menschen im Alter von 15 bis 25 Jahren mit dem Namen «Bridge» lanciert. Es ist Teil des Bildungsbereichs der Quellenhof-Stiftung. Den Jugendlichen, für die das Projekt geschaffen wurde, erschweren soziale oder gesundheitliche Einschränkungen die berufliche Orientierung. Um die Ausbildungsfähigkeit zu erreichen, brauchen sie eine umfassende Betreuung. Aber vor allem bietet das «Bridge»-Angebot ihnen und ihren Familien eine Perspektive.

Brückenbauerinnen und Brückenbauer
«Die Quellenhof-Stiftung unterstützt seit vielen Jahren Jugendliche mit herausfordernden Biografien auf ihrem Weg in eine Ausbildung und wenn möglich bis hin zur Integration in den 1. Arbeitsmarkt», sagt Beatrice Studler, Leiterin Kommunikation der Stiftung. «Neu werden wir mit dem Projekt ‹Bridge› die Lücke für diejenigen Jugendlichen füllen, welche noch nicht bereit für eine berufliche Massnahme sind», sagt sie. Das Motto lautet: Zusammen Brücken bauen. «Bridge» ist als niederschwelliges Angebot für diese Jugendlichen konzipiert. Es ist ein Ort, wo sie sich wieder an einfachen Strukturen orientieren können. Diese geben ihnen Halt. Und sie ermöglichen es ihnen, Ruhe zu finden. Vier bis zwölf Monate leben die jungen Erwachsenen in dieser stabilisierenden Tagesstruktur. Ohne dass bereits eine Ausbildungsmöglichkeit vorhanden sein muss, haben die Jugendlichen die Chance, sich erst einmal selbst wieder zu finden. Dazu gehört aber auch, die eigenen Ressourcen, Stärken und Neigungen zu erkennen. Kreative, handwerkliche und mediale Angebote unterstützen die Projekt-Teilnehmenden dabei. Dazu sind die Räumlichkeiten mit Lernlandschaften ausgestattet.

So können sie die verschiedensten Berufsfelder entdecken. Zum Angebote gehören gerade auch zukunftsgerichtete Tätigkeiten im Bereich der digitalen Transformation. Digitale Medien und Technologien sind Chance und Herausforderung zugleich. Sie ermöglichen Menschen mit Beeinträchtigungen den Zugang zu wichtigen gesellschaftlichen und sozialen Bereichen. Der Umgang mit diesen Möglichkeiten kann jedoch für die Betroffenen selbst aber auch für das Arbeiten mit ihnen herausfordernd sein. Sie bieten aber vor allem innovative Möglichkeiten. Dies fördert die Motivation und Begeisterung und hilft eine erfolgreiche Reintegration zu erreichen.
Die Nachfrage ist gross
Das Ziel des Angebots ist, dass die Jugendlichen stabilisiert und gemäss ihren Fähigkeiten und Neigungen motiviert und gefördert sind. So erreichen sie die Ausbildungsfähigkeit. Kontinuierlich wird ihre Leistungsfähigkeit gesteigert. Damit erreichen sie wieder Präsenzzeiten von 80 bis 100 Prozent. Im «Bridge»-Angebot sind auch berufliche Abklärungen und Massnahmen definiert. Über den Ausbildungsverbund verfügt die Quellenhof Stiftung über wichtige Schnittstellen für eine Anschlusslösung nach der Zeit in der «Bridge». Damit schaffen das Projekt die Brücke zur Berufsausbildung. Vor wenigen Monaten gestartet will die Quellenhof-Stiftung das Angebot im 2022 auf 20 Plätze ausbauen. Die Nachfrage ist gross: Jede Woche erkundigen sich verzweifelte Eltern oder zuweisende Stellen nach der Möglichkeit. Zwar übernehmen SVA oder das Sozialamt einen Teil der Kosten. Um das ganze Projekt jedoch zu tragen ist die Stiftung auf Spenden angewiesen.

Quellenhof-Stiftung
Zweck der Stiftung ist die Begleitung, Rehabilitation und Wiedereingliederung von Menschen verschiedener Altersgruppen, die — aus was für Gründen auch immer — am Rande der Gesellschaft stehen. Dazu betreibt sie spezifische Therapie‑, Trainings‑, Ausbildungs- und Beschäftigungsangebote sowie Projekte für suchtkranke, psychisch kranke und arbeitslose Menschen im Wohn- und Arbeitsbereich. Die Menschen erfahren in den einzelnen Bereichen, dass jeder Mensch — ungeachtet seiner Herkunft, Stellung, Ausbildung und Fähigkeit — wichtig ist und mit seinen psychischen und physischen Möglichkeiten gebraucht wird.






