Jeder Kilometer zählt: Mit einem «Charity-Ride» sammelt amiamusica derzeit Spenden für Musiktherapie auf der Frühgeborenen-Station. Bild: zVg animamusica

Ab in die Peda­le – für die Allerkleinsten

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Der Ver­ein amia­mu­si­ca setzt sich mit Musik für früh- und krank­ge­bo­re­ne Kin­der und sei­ne Fami­li­en ein, um die Ent­wick­lung der Kin­der, dund das Wohl­be­fin­den der Eltern zu unter­stüt­zen. Gegrün­det wur­de er als Platt­form, um betrof­fe­ne Fami­li­en zu ver­net­zen und über neue For­schungs­er­geb­nis­se zu infor­mie­ren. Aktu­ell sam­melt der Ver­ein mit einem «Cha­ri­ty-Ride» Kilo­me­ter und Spenden.

Im Jahr 2023 kamen in der Schweiz etwas mehr als sechs Pro­zent der Kin­der zu früh zur Welt, das heisst vor dem Ende der 37. Schwan­ger­schafts­wo­che, etwa ein Pro­zent sogar vor der 32. Woche. Dank den Mög­lich­kei­ten der moder­nen Medi­zin haben selbst die­se extre­men Früh­ge­bo­re­nen gute Chan­cen zu über­le­ben. Doch so wich­tig die medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung im Spi­tal ist: Der Auf­ent­halt auf der Neo­na­to­lo­gie-Abtei­lung bedeu­tet für die Früh­chen und ihre Eltern auch viel Stress, Hek­tik und Lärm. Wäh­rend ein Kind im Mut­ter­leib Geräu­sche ange­nehm gedämpft wahr­nimmt, sind Früh­ge­bo­re­ne im Spi­tal lau­ten Stim­men und dem stän­di­gen Piep­sen von elek­tro­ni­schen Gerä­ten schutz­los aus­ge­setzt. Dass Musik­the­ra­pie das Stress­emp­fin­den von früh­ge­bo­re­nen Kin­dern und ihren Eltern lin­dert und die Bin­dung zwi­schen Eltern und Kind för­dert, ist unbe­strit­ten. Aber Musik kann noch mehr: Der Ein­satz von Musik und Stim­me beein­flusst auch die Gehirn­ent­wick­lung der Kin­der posi­tiv. Das zei­gen meh­re­re Stu­di­en, wel­che die Musik­the­ra­peu­tin Frie­de­ri­ke Hasl­beck unter ande­rem am Uni­ver­si­täts­spi­tal Zürich durch­ge­führt hat. Hasl­beck hat vor 20 Jah­ren den Ansatz der Krea­ti­ven Musik­the­ra­pie ent­wickelt, die mitt­ler­wei­le im Zür­cher Uni­spi­tal und wei­te­ren Spi­tä­lern zum festen Ange­bot auf der Neo­na­to­lo­gie gehört. «Musik ist wie ein Medi­ka­ment ohne Neben­wir­kun­gen», betont die Musik­the­ra­peu­tin in Inter­views immer wieder. 

Lie­der von Eltern für Eltern

Damit die Erkennt­nis­se aus ihren For­schun­gen bei denen ankom­men, die es beson­ders betrifft – näm­lich bei den Fami­li­en mit zu früh gebo­re­nen Kin­dern — hat Frie­de­ri­ke Hasl­beck vor sie­ben Jah­ren den Ver­ein amia­mu­si­ca – Räto­ro­ma­nisch für «Musik­freun­din» – gegrün­det. «Wir wol­len Fami­li­en dort abho­len, wo sie Infor­ma­tio­nen suchen, im Netz und auf Social Media», erklärt die Ver­eins­prä­si­den­tin. Zudem möch­te der Ver­ein die Fami­li­en ver­net­zen und ihnen Musik­an­ge­bo­te auch über den Spi­tal­auf­ent­halt hin­aus zur Ver­fü­gung stel­len: «Wir bie­ten jedes Jahr ein Musik-Pick­nick für Fami­li­en mit früh­ge­bo­re­nen Kin­dern an und haben zwei Lie­der­bü­cher mit und für Eltern gestal­tet, wel­che die Fami­li­en zur Geburt und beim Spi­tal­aus­tritt erhal­ten», so Hasl­beck. Aktu­ell nimmt der Ver­ein mit betrof­fe­nen Eltern ihre Lie­der auf, um sie ande­ren Eltern zur Ver­fü­gung zu stel­len und sie zu moti­vie­ren, eben­falls mit ihren Kin­dern im Spi­tal zu sin­gen. Ein wei­te­res Ziel des Ver­eins ist die Ent­wick­lung einer Gesund­heits­app, über wel­che die Inhal­te der Krea­ti­ven Musik­the­ra­pie für Fami­li­en auf der Neo­na­to­lo­gie und spä­ter zu Hau­se ein­fach und frei zugäng­lich sind. 

Musik redu­ziert Stress und för­dert die Gehirn­ent­wick­lung von Früh­ge­bo­re­nen. Musik­the­ra­pie gehört mitt­ler­wei­le zum festen Ange­bot der Neo­na­to­lo­gie im Uni­spi­tal Zürich und ande­ren Schwei­zer Spi­tä­lern. Bild: zVg amimamusica

Früh­ge­bo­re­ne lei­sten mehr als Spitzensportler

Sol­che Pro­jek­te kosten natür­lich Geld. Als gemein­nüt­zi­ger Ver­ein ist amia­mu­si­ca auf Spen­den ange­wie­sen. Des­halb hat der Ver­ein vor Kur­zem die Spen­den­ak­ti­on «miles4amiamusica» gestartet. 

Bild ami­ma­mu­si­ca


Bis zum 30. Sep­tem­ber 2025 kön­nen inter­es­sier­te Frei­wil­li­ge Kilo­me­ter für früh- und krank­ge­bo­re­ne Kin­der sam­meln. Dabei soll jede zurück­ge­leg­te Strecke, ob mit dem Velo, zu Fuss, schwim­mend oder auf Inline­skates, von Fami­li­en­mit­glie­dern, Freun­den und wei­te­ren Gön­nern mit einer Spen­de zugun­sten von amia­mu­si­ca hono­riert wer­den. 25’000 Fran­ken sol­len bis dann zusam­men­kom­men. Es ist kein Zufall, dass der Ver­ein Bewe­gung als «Cha­ri­ty-Vehi­kel» gewählt hat. Denn Früh­ge­bo­re­ne haben im Ver­hält­nis zu ihrem win­zi­gen Kör­per­ge­wicht einen noch höhe­ren Ener­gie­be­darf als ein Spit­zen­renn­fah­rer wäh­rend der Tour de France, weil sie so viel Ener­gie in ihr Wachs­tum – vor allem des Gehirns – stecken müs­sen. «Mit miles4amiamusica set­zen wir ein Zei­chen für die­se unsicht­ba­re Lei­stung», so Hasl­beck. Höhe­punkt der Spen­den­ak­ti­on ist ein «Ride» am Früh­ge­bo­re­nen­fest, das alle drei Jah­re vom Zür­cher Uni Spi­tal orga­ni­siert wird und die­ses Jahr am 13. Sep­tem­ber statt­fin­den wird. 

amia­mu­si­ca

Früh- und krank­ge­bo­re­ne Kin­der und ihre Eltern benö­ti­gen beson­de­re Unter­stüt­zung. Musik­the­ra­pie för­dert das Wohl­be­fin­den von Kin­dern und Eltern, redu­ziert das Angst- und Stress­emp­fin­den, för­dert die Bin­dung zwi­schen Eltern und Kind und wirkt sich posi­tiv auf die Gehirn­ent­wick­lung von Früh­ge­bo­re­nen aus. Der gemein­nüt­zi­ge Ver­ein amia­mu­si­ca mit Sitz in Uster möch­te die­se Res­sour­ce mehr Fami­li­en zur Ver­fü­gung stel­len und bie­tet den Fami­li­en dafür Lie­der­bü­cher, Songs und Tuto­ri­als an. Er ist zudem eine Platt­form, um betrof­fe­ne Fami­li­en zu ver­net­zen, Musik erleb­bar zu machen, Erfah­run­gen aus­zu­tau­schen und Wis­sen zu vermitteln. 


Das Spen­den­ma­ga­zin von StiftungSchweiz rich­tet sich an Spen­de­rin­nen und Spen­der. Es infor­miert über aktu­el­le Pro­jek­te, Trends im Spen­den­markt und gibt Tipps, die das digi­ta­le Spen­den ein­fa­cher machen. Jede zwei­te Woche erscheint ergän­zend der «Do Good» Spen­den-News­let­ter.